Warum verlangen wir Seminargebühren für das Erlernen von spirituellem Wissen?

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Warum verlangen wir Seminargebühren für das Erlernen von spirituellem Wissen?

Als Meditationslehrerin und Seminarorganisatorin für den Autor und Rishi Aaravindha Himadra werde ich manchmal gefragt: „Warum verlangt ihr Seminargebühren? Sollte spirituelles Wissen nicht für alle frei verfügbar sein, insbesondere in einer Welt, in der es mehr denn je gebraucht wird?“

Die Menschen, die diese Fragen stellen, kommen aus verschiedenen kulturellen und philosophischen Prägungen. Einige machen sich Sorgen, dass wirtschaftlich nicht so gut gestellte Menschen wichtige spirituelle Lektionen verpassen könnten. Andere Menschen glauben von ganzem Herzen, dass spirituelles Wissen ohne Gegenleistung oder höchstens mit einem Mindestmaß an Gegenleistung weitergegeben werden sollte, gerade ausreichend, um die bloßen Notwendigkeiten für ein sparsames Leben zu decken.

Aufgrund der unterschiedlichen kulturellen und philosophischen Hintergründe der Fragesteller ist die Antwort auf diese Frage auch komplex und vielschichtig, um sowohl die allgemeine Stimmung, die sie hervorruft, als auch die persönlichen Merkmale, die zu einer solchen Frage geführt haben, zu beantworten.

Das Thema Fülle und Mangel ist ein zentrales Thema auf dem spirituellen Weg. Es ist ein großes Lernfeld für fast jeden Menschen, da sowohl zu viel als auch zu wenig zu Problemen führen kann. Ein noch größeres Problem ist jedoch häufig das empfundene Gefühl des Mangels, das zu Hindernissen im natürlichen Fluss der Fülle führt. Wir müssen uns diesen Problemen stellen, wenn wir erwachen wollen. Wir müssen Überzeugungen loslassen, die uns begrenzt halten. Wenn wir eine Blockade in unserem göttlichen Fluss aufrechterhalten, verhindert diese einzelne Blockade, dass wir Erleuchtung erfahren.

Die Geschichte der Entsagung als spiritueller Weg

Entsagung hat sowohl im Osten als auch im Westen eine lange Tradition in Bezug auf unsere spirituelle Befreiung oder Erlösung. Manchmal zu einem extremen Grad. Im Westen, vor allem im mittelalterlichen Christentum, hielt man es für ein klösterliches Ideal, sich verschiedenen Formen der Selbstkasteiung zu unterwerfen. Freude an sinnlichen Erfahrungen war verwerflich. Wenn ein Mönch körperlichem Vergnügen erlegen war, waren Selbstverurteilung und sogar körperliche Selbstquälerei die akzeptierten Konsequenzen. Abstinenz von allen sinnlichen Freuden war ein wünschenswertes Zeichen der Reinheit.

Der Osten zeigte ähnliche Tendenzen. Es war ideal, auf alle materiellen Besitztümer, auf Sexualität und andere sinnliche Versuchungen der Welt zu verzichten und die Befreiung in einer endgültigen Auflösung des Daseins anzustreben.

Wie wir die Erfahrungen der Vergangenheit in Weisheit verwandeln können

Menschen sind göttliches Bewusstsein, das eine physische Erfahrung macht. Wir sind der eine ultimative Wahrnehmende und die schöpferische Kraft, die Universen erschafft, und wir sind gleichzeitig das, was diese physische Schöpfung erlebt. Wir können keine dieser Realitäten leugnen oder verurteilen. Wir müssen vielmehr lernen, ein offenes Tor zwischen dem Erschaffenden und dem Erschaffenen zu bleiben.

Der Fehler, den wir im Laufe der Geschichte gemacht haben, war zu glauben, dass wir allen irdischen Dingen entsagen müssen, um zum Göttlichen zu gelangen. Uns war nicht klar, dass es nicht darum ging, allem irdischen zu entsagen und alle sinnlichen Erfahrungen zu vermeiden. Wir müssen lediglich unseren Illusionen entsagen, die uns daran hindern Erleuchtung zu erfahren und unsere Göttlichkeit ins Leben bringen.

Was wir dafür opfern müssen sind unsere Anhaftungen und unsere Aversionen zum Leben. Wenn diese Anhaftungen und unsere Aversionen uns besitzen, sind wir nicht frei und können unsere wahre Kraft und Fülle nicht erfahren. Wir bemühen uns darin fälschlicherweise, einem Weg der Entsagung zu folgen, der letztendlich nur zur Nichtexistenz führt, anstatt unsere Göttlichkeit zu nutzen, um einen freudvollen paradiesischen Zustand zu erzeugen. Entsagung führt zu einem Leben in Mangel mit einem endgültigen Ziel, das uns das Nichts gibt. Fülle führt zu Glückseligkeit und ewiger Vielfalt und Kreativität. Was fühlst du als den wahren Weg?

Viele unserer heutigen Überzeugungen darüber, wie spirituelle Lehrer leben sollten oder wie viel sie für ihre Dienste verlangen könnten oder wie viel Wohlstand akzeptabel ist, beruhen auf diesen alten Prägungen illusionärer spiritueller Überzeugungen, die uns auferlegen, wieviel Fülle wir haben dürfen oder nicht. Wir müssen diese Konditionierungsmuster erkennen und authentisch nach der tieferen Wahrheit fühlen. Wenn die Muster des Mangels in uns auftauchen, müssen wir das volle Ausmaß dieser Ängste spüren und sie unangehaftet beobachten. Dies ermöglicht uns, eine unterscheidende Wahl für die Wahrheit zu treffen und durch unsere Begrenzungen in einen freieren Zustand zu kommen. Wenn wir diese Einschränkungen auflösen und vom Armutsbewusstsein in die innere Fülle übergehen, erzeugen wir oft gleichzeitig eine äußere Fülle als natürlichen Nebeneffekt.

Die Illusion, dass spirituelles Wissen frei verfügbar ist

Wir haben oft die Illusion, dass bestimmte Gemeinschaften, Lehrer oder Religionen ihr Wissen kostenfrei weitergeben. Wenn wir in eine christliche Kirche gehen wollen, ist die Tür offen. Der Pastor oder Priester verlangt kein Geld für seinen Rat. Buddhistische Mönche geben ihr Wissen auf Spendenbasis weiter und hinduistische Meister unterrichten kostenlos. Aber ist das wahr?

Menschen haben oft die Tendenz, nur Dinge zu registrieren, die in direktem zeitlichem Zusammenhang mit einer Erfahrung stehen. Wir denken, die Kirchen sind umsonst, aber die Menschen in Deutschland und anderen europäischen Ländern haben aufgrund der Kirchensteuer weniger Gehalt auf ihrem Konto. In Deutschland werden 9% der Einkommensteuer als Kirchensteuer bezogen. In Ländern wie den USA, in denen Staat und Kirche konstitutionell stärker voneinander getrennt sind, erwarten die verschiedenen christlichen Gemeinschaften von ihren Mitgliedern, dass sie 10% ihres monatlichen Einkommens als „Zehnten“ abgeben.

Im Osten funktioniert dieses System etwas anders. Es gibt keine festen Geldspendenbeträge, die von der Kirche verlangt werden. Die Menschen sind mehr mit ihrer Spiritualität als einer Aktivität verbunden, die ihrem Leben einen Sinn gibt, und die Suche nach Erleuchtung ist wichtiger als im Westen. Ein angesehener spiritueller Lehrer in Indien hat oft eine viel größere Anhängerschaft als ein Lehrer im Westen. Diese Devotees legen einen höheren Wert auf ihre spirituelle Entwicklung. Insgesamt erleben diese Gesellschaften weniger Skepsis und Zweifel, was für die Menschen im Westen oft ein spirituelles Hindernis darstellt. Obwohl Einzelpersonen im Osten weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben, spenden sie, was sie können, für ihren spirituellen Weg als „Dana“ oder Spenden für wohltätige Zwecke. Tempel und Ashrams werden für ihre Lehrer oder Weisen von den Anhängern gebaut. Die Devotees versuchen, ihren spirituellen Lehrern aus Dankbarkeit für ihren Dienst an der Menschheit ein gutes Leben zu ermöglichen. Buddhistische Mönche werden in der Regel für Pujas und Zeremonien bezahlt und erhalten häufig Essen oder Almosen vom Volk. Sogar Gandhi hatte einen Vollsponsor und Paramahamsa Yogananda und Sri Aurobindo hatten Sponsoren, die ihnen ganze Zentren und Ashrams schenkten.

Spirituelle Lehrer brauchen, wie die meisten Menschen in kapitalistischen Gesellschaften, Geld, wenn sie ihre Berufung in Vollzeit ausüben wollen. Wenn sie kein Einkommen von Sponsoren, Steuern oder festen Abgaben haben, müssen sie Seminargebühren erheben, um ihr Leben zu finanzieren und Geld für höhere Ziele wie den Bau von spirituellen Zentren zu sammeln. Das Ziel der spirituellen Arbeit sollte nicht darin bestehen, Profit zu machen, sondern Dharma zu etablieren. Trotzdem sind Finanzen erforderlich, um spirituelle Arbeit zu leisten, und gute Lehrer sind sich dessen bewusst.

Die Realität der Ausgaben eines global tätigen spirituellen Lehrers

Als Seminarorganisatorin werde ich mindestens einmal im Jahr mit folgender Beschwerde konfrontiert: „Die Menge an Wohlstand, die durch den Verkauf von Seminaren generiert wird, ist für spirituelle Lehrer unangemessen“.

In dieser kurzen Beschwerde gibt es zwei Fehlwahrnehmungen. Erstens erkennen die Menschen selten die tatsächlichen Kosten für die Organisation und Durchführung von Seminaren oder wissen, was tatsächlich eingenommen wird. Zweitens enthält es ein Urteil darüber, was ein „angemessener“ Lebensstandard sei.

Viele Teilnehmer zahlen nicht den regulären Seminarpreis. Zum Beispiel erhalten alleinerziehende Eltern und Schüler bei Aaravindhas Seminaren 20% Ermäßigung. Teilnehmer, die die Lehrerausbildung bereits abgeschlossen haben, erhalten 70% Rabatt. Für viele andere, die sich nicht für diese automatischen Rabatte qualifizieren, bieten wir nach Überprüfung eine begrenzte Anzahl von Einzelrabatten an. Als zusätzliche Maßnahme, um sicherzustellen, dass sich alle Teilnehmer diese Seminare angemessen ermöglichen können, sind Ratenzahlung für jedermann möglich.

Nun müssen wir uns überlegen, wie viel der Seminarlehrer tatsächlich von diesen Veranstaltungen erhält. Ein EU-Land, in dem ein Seminar stattfindet, erhebt in der Regel je nach Land zwischen 19% und 25% Umsatzsteuer. Diese Umsatzsteuer muss von den Seminarveranstaltern im Voraus bezahlt werden, auch wenn die Rechnung noch nicht vom Teilnehmer bezahlt wurde. Seminarveranstalter aus den USA, die in Europa Seminare organisieren, benötigen Steuerberater und Buchhalter in den USA und in Deutschland, um die Mehrwertsteuer einzureichen, was zu konstanten monatlichen Kosten führt.

Das Anbieten von Seminaren im Ausland verursacht Reisekosten. Flüge, Hotels, Mietwagen und Verpflegung sind nur einige der Kosten, die während der Reise anfallen. In bestimmten Fällen kann eine Betreuung für Kinder oder Haustiere erforderlich sein, während die Seminarleiterin oder der Seminarleiter abwesend ist.

Aus meiner persönlichen Erfahrung als Seminarleiterin kann ich sagen, dass ich nach mehreren Tagen des Unterrichtens zutiefst erfüllt, aber auch ziemlich erschöpft bin. Aaravindhas Seminare dauern oft sogar 9 oder 10 Tage, von früh morgens bis spät abends. In den Pausen wird er oft sogar während des Essens von Schülern mit Fragen belagert und nach dem Ende des Seminars spätabends, wenn alle anderen schlafen gehen, sucht Aaravindha oft noch nach energetisch geeigneten spirituellen Namen, manchmal für bis zu 50 Personen.

Aaravindha arbeitet meist 7 Tage die Woche, 10-14 Stunden am Tag, das ganze Jahr über, um spirituelles Wissen in die Welt zu bringen oder sich um alles zu kümmern, was Aufmerksamkeit benötigt.

Mehrere Personen bestreiten ihren gesamten Lebensunterhalt von den Seminargebühren. Und auch während des Seminars gibt es eine Crew von Leuten, von Tontechnikern bis hin zu Übersetzern, ohne die ein Seminar nicht möglich wäre. Alle diese Personen müssen eine Form von Ausgleich erhalten. Darüber hinaus müssen Geräte wie Tontechnik, Foto- und Videotechnik, Beleuchtung, Kerzen und andere Dekorationen gekauft und erhalten werden.

Oft sehen Leute nur diese 9 oder 10 Tage eines Seminars und betrachten dies als die gesamte Dienstleistung. Für diese 9 oder 10 Tage bereiten sich Aaravindha und andere spirituelle Lehrer jedoch einige Monate vor. Sie brauchen diese Zeit, um Wissen hervorzubringen und es in eine strukturierte Form zu übersetzen, die der lineare Verstand erfassen kann. Aaravindha macht dies in Form von Schreiben, was oft zu Büchern führt, die dann im Seminar als Seminarmaterial zur Verfügung stehen. Auch andere Seminarunterlagen müssen entwickelt, übersetzt und kreativ produziert werden. Die Seminargebühr muss diese Monate an Arbeit abdecken. Die damit verbundenen jährlichen Kosten für einen angenehmen Wohnraum, gesundes Essen, Arbeitsplätze für mehrere Personen, Krankenversicherung usw. müssen ebenfalls gedeckt werden.

Die meisten dieser Kosten sind steuerlich nicht abzugsfähig. Dies bedeutet, dass das Finanzamt zuerst mindestens 30% Einkommensteuer abzieht und der dann der verbleibende Betrag den Rest abdecken muss.  Diese Kosten sind weitaus komplexer als die meisten Menschen erkennen.

Wir alle müssen entscheiden, was wir brauchen

Aaravindha und Ashayrah haben sich durch ihre eigene Arbeit und Kreativität ein sehr inspirierendes Umfeld geschaffen. Sie haben zwei Häuser in ihrem Leben mit ihren eigenen Händen und physischer Arbeit erbaut. Wenn ich vor ihrem Haus stehe, frage ich mich, wie man so etwas erschaffen kann. Der Garten ist liebevoll bepflanzt und gepflegt und Tiere wie Rehe, Kolibris, Waschbären und Eichhörnchen werden von Aaravindha und Ashayrah gefüttert und dürfen dort in diesem Natur-Heiligtum leben.

Vor ein paar Jahren bauten Aaravindha und Ashayrah noch ein separates Gartenhäuschen für Aaravindha, damit er ungestört schreiben kann. Um diese Art von höchstem spirituellem Wissen ständig hervorbringen zu können, muss die Umwelt auch den Körper und das Gehirn nähren und unterstützen. 3G-, 4G-, 5G- oder WLAN-Strahlung oder andere Toxine wären störend. Meisterschaft bedeutet auch, gut für sich selbst zu sorgen, damit man die richtigen Voraussetzungen hat, um diese Arbeit auf inspirierte Weise machen zu können. Dafür muss man sich die Möglichkeiten schaffen, negative Einflüsse so weit wie möglich eliminieren.

In unserer heutigen Welt haben wir diesbezüglich andere Herausforderungen als vor ein paar Hundert Jahren. Was Aaravindha benötigt, um eine erfüllende spirituelle Umgebung zu schaffen, liegt ganz bei ihm. Tatsächlich kann nur er diese Entscheidung treffen. Wir alle müssen selbst für uns entscheiden, was angemessen ist, was wir brauchen und was verschwenderisch wäre. Wir alle, einschließlich Aaravindha, haben ab und an Hobbys und Interessen, die nicht in direktem Zusammenhang mit unserer Arbeit stehen und es sollte erlaubt sein diesen nachzugehen.

Niemand kann wissen, wie spirituelle Lehrer ihre Ersparnisse, die sie möglicherweise durch ihr Arbeit erzielt werden, einsetzen werden. Ich bin sicher, Aaravindha wird es in etwas investieren, das dazu beiträgt, die Kontinuität der Amartya-Tradition zu gewährleisten. Aber auch wir sind aufgerufen, etwas beizutragen. Wir alle, die wir uns als Teil dieser oder anderen spirituellen Traditionen sehen, sollten sicherstellen, dass wir unsere Prioritäten überprüfen, bevor wir andere kritisieren.

Die Anspruchshaltung ist eine Krankheit unserer Zeit

Die Anspruchshaltung, geistiges Wissen ermäßigt oder ohne angebrachte Gegenleistung zu erhalten, ist eine Illusion, die die moderne westliche Welt hervorbringt.

In vergangenen Zeiten mussten Schüler oft Hunderte von Kilometern unter schwierigen Bedingungen zurücklegen, um einen Ort zu erreichen, an dem sie spirituelle Lehren hören oder Segnungen empfangen konnten. Es gibt unzählige Geschichten von Aspiranten, die vor den Türen eines Tempels oder Klosters ausharren mussten, um ihre spirituelle Entschlossenheit zu beweisen. Heutzutage ist alles zu einfach und wir brauchen Barrieren, um sicherzustellen, dass das höchste spirituelle Wissen, das ein Lehrer vermitteln kann, nicht zu einem spirituellen Fast Food wird, das von Eso-Junkies im Vorbeigehen verschlungen wird. Du musst beweisen, dass du den Wert hohen Wissens respektieren kannst, indem du bereit bist, ihm einen angemessenen Wert zuzumessen.

Es ist nicht spirituell, ehrliche Arbeit abzulehnen, weil sie uns nicht spirituell genug erscheint oder weil wir erwarten, dass andere mit ihrer Arbeit für uns sorgen. Es ist nicht spirituell, ein Geschenk zu fordern, ohne etwas von angemessenem Wert zurückzugeben. Anspruchshaltung ist eine Mischung aus Arroganz, mangelnder Großzügigkeit und mangelnder Wertschätzung.

Das Erlangen des höchsten spirituellen Wissens, ohne bereit zu sein, etwas zu geben, um das Lehren dieses Wissens zu ermöglichen, erzeugt ein unnatürliches Ungleichgewicht, das uns in der Begrenztheit gefangen hält. Oft machen uns unsere Urteile darüber, welchen Preis spirituelle Lehren haben sollten, blind dafür, den wahren Wert dessen, was gegeben wird, zu erkennen. Wenn jemand eine Seminarermäßigung will, aber das Geld hat, um in den Urlaub zu fahren, dann stimmen die Prioritäten in Bezug auf das Seminar nicht.

Viele vermeintliche finanzielle Engpässe bieten die Gelegenheit, zu prüfen, wo man möglicherweise nicht fokussiert genug ist oder wo man Geld für Dinge ausgibt, die man nicht benötigt. Einige dieser Dinge können sogar schlecht für einen sein, wie beispielsweise Zigaretten oder Alkohol. Vielleicht kannst du die Zeit, die du auf Facebook, Instagram oder nur beim Fernsehen verbringst, nutzen, um etwas zu erschaffen, das deine Möglichkeiten erweitert und deine persönliche Kraft stärkt.

Wenn die Stimme des Widerstands sagt: „Aber ich tue doch bereits alles, was ich kann!“, dann frage dich, ob dies wirklich zutrifft oder ob du nur deine kreative Freiheit einschränkst und dich in der Begrenzung hältst. Und wenn ja, warum ist das so? Wenn du geboren wirst, steht dir die ganze Welt offen. Du hast endlose Möglichkeiten, dein Leben zu gestalten. Jeder Moment ist eine Chance.

Es ist jedoch eine völlig andere Situation, wenn eine Person wirklich alles tut, um über die Runden zu kommen und den Wert der spirituellen Lehren erkennt, aber einfach nicht genug finanzielle Ressourcen generieren kann. Dies kann verschiedene Gründe haben, z. B. schwere körperliche Erkrankungen, hohes Alter oder außergewöhnliche Härten. Für diese Fälle haben wir die Möglichkeit für zusätzliche Rabatte bereitgestellt.

Großzügigkeit ist ein spiritueller Akt, aber wir müssen auch sicherstellen, dass wir damit keine schwächenden Muster unterstützen.

Wie du in den Fluss der Fülle kommst

Wir müssen uns unsere Prioritäten klarmachen und bereit sein, alles für unsere spirituelle Freiheit zu geben. Wenn du diese Erkenntnis umsetzt, wird dir gegeben. Der Weg wird vor deinen Füßen geebnet und du wirst das bekommen, wofür du bereit bist. Du musst in die göttliche Intelligenz vertrauen, aber zuerst musst du deinen Verstand reinigen, dankbar für das sein, was das Leben bringt, bereit sein, in deine Kreativität einzutauchen und aktiv Geschenke für den Altar des Göttlichen erbringen. Du musst deine Arbeit mit deiner göttlichen Inspiration und Liebe erfüllen, sei es als in deinem ganz normalen Alltagsjob, in einem Teilzeitjob oder in einer kreativen Geschäftsidee, an der du arbeiten kannst. Als Heiler zu arbeiten ist nicht spiritueller, als als Müllwagenfahrer zu arbeiten. Es hängt nur davon ab, ob du dabei die göttlichen Qualitäten verkörperst und einen Einfluss von Inspiration und Heilung bist, wo immer du dich im täglichen Leben befindest. Wenn du dein Leben als Yogalehrerin oder Heilerin nicht bestreiten kannst, suche nach anderen Möglichkeiten und Jobs und bringe deine Weisheit und Liebe an diesen Ort. Dies stimmt möglicherweise nicht mit deinen Vorstellungen überein, bietet dir jedoch die Möglichkeit, dich neu auf das Wesentliche auszurichten.

Wenn du das tust und deine Erwartungen und Überzeugungen darüber, was spirituell ist und was nicht, überwindest, beginnt etwas Wunderbares. Du erschaffst dir finanziellen Mittel nicht mehr alleinig durch deinen Einsatz und dein Engagement auf weltlicher Ebene. Der Fluss des Göttlichen erkennt dich als heilende Zelle und unterstützt deinen Weg. In diesem Fall öffnen sich neue Türen, die möglicherweise zuvor geschlossen waren.

Was nicht funktionieren wird, ist dem Universum nur mitzuteilen, dass du bereit bist. Das Erkennen deiner Prioritäten reicht nicht aus. Dein gesamtes Leben muss von deiner Bereitschaft durchdrungen sein, das zu manifestieren, was für deine spirituelle Entwicklung notwendig ist. Das bedeutet nicht, einen „spirituellen Beruf“ zu manifestieren. Dein Alltag muss von Dankbarkeit geprägt sein, selbst für die geringsten Gelegenheiten, die sich bieten. Was ist, wenn etwas nicht funktioniert? Dann lass los und sei dankbar für die Erfahrung und versuche es anders. Du musst akzeptieren, dass alles für dich ist, auch die Misserfolge.

Der Schlüssel ist, mühelos, aber nicht faul oder untätig zu sein; loszulassen, wenn du loslassen musst, aber dennoch engagiert und beständig genug zu sein, um eine Ernte zu erzielen, die deinen spirituellen Weg in der linearen Welt tragen kann.

Ein spiritueller Lehrer sollte großzügig zu denen sein, die krank oder alt und mittellos sind und denen helfen, die vorübergehend von anderen Möglichkeiten abgeschnitten sind. Der spirituelle Lehrer muss jedoch aufpassen, damit keine schwächenden Muster zu verstärken, karmische Schulden zu schaffen oder das Wissen an Menschen weiterzugeben, die seinen Wert nicht schätzen können. Wenn jemand den Wert in spirituellen Lehren nicht erkennen kann, kann er das Wissen nicht in die Tat umsetzen. Diese Energie wäre dann verschwendet und besser in einem anderen Schüler investiert worden.

Eine abschließende Empfehlung

Die Zeit, die sich ein Lehrer nimmt, und die Anstrengung, die er oder sie durchmacht, um zu uns zu kommen und uns Wissen zu vermitteln, muss gewürdigt werden. Nicht nur in Form von Dankbarkeit, sondern auch in Form von materiellem Rückfluss, der es ermöglicht, diese Lehren hervorzubringen und der Welt zugänglich zu machen.

Durch die Seminargebühren kann Aaravindha Bücher schreiben. Diese Bücher werden für alle interessierten Menschen auf der Welt für Generationen nahezu kostenfrei erhältlich sein. Weitere kostenlose Weisheitsperlen werden durch Artikel und Inspirationen sowie durch Webinare und Videos in Kürze weitergegeben.

Auch wenn du keine Seminare bei Aaravindha besuchen kannst, ist Erleuchtung möglich. Die Meditationen, die du unentgeltlich von Sambodha-Lehrern lernen kannst, sind machtvolle Techniken, die du nirgendwo anders finden kannst. Wenn du zusätzlich auch kürzere, kostengünstige Einsteiger- oder Vertiefungskurse bei diesen ausgebildeten Sambodha-Lehrern belegst, dann findet eine weitere Form von Austausch statt, bei dem du Wissen der Amartya-Tradition erlernen kannst, dass dir ermöglicht, dich effektiver weiterzuentwickeln und der Lehrer auch einen Rückfluss haben kann, der ihm oder ihr diese Arbeit ermöglicht.

Jeder Satz in Aaravindhas Buch „Das Tal der unsterblichen Meister“ ist eine Perle, die viele Wissensschichten enthält, die sich über Jahre als vertiefende Einsichten entfalten. Weitere Bücher werden folgen.

Kultiviere und lebe Dankbarkeit, Großzügigkeit, Akzeptanz, Frieden, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und anderen Eigenschaften des göttlichen Seins. Lerne und verfeinere im Laufe der Jahre die Grundprinzipien der Meditation und des Nirodhyama. Deine Hingabe an dein Erwachen, dein Fokus, dein Loslassen und deine Liebe werden dich in dein Erwachen führen. Niemand ist ausgeschlossen. Die Schlüssel liegen in deinen Händen. Wenn du einen bestimmten Punkt in deiner Entwicklung erreicht hast, wird das Wissen dich finden, so dass du dich weiterentwickeln kannst. Es gibt noch tiefere Schichten und Entwicklungsstadien, die nur von einem Lehrer unterrichtet werden können, der den Weg kennt. Und vielleicht klopft gerade in diesem Moment die göttliche Gnade an deine Tür. Wirst du die Tür öffnen?

Die Teilnahme an Seminaren mit Aaravindha ist ein außerordentlicher Segen, der nicht jedem auf der Welt möglich ist. Aber wenn du es ermöglichen kannst, bist du extrem gesegnet!

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Aiyanna Diyamayi is an authorized Paramahamsa Sambodha-Teacher trained by Aaravindha Himadra. More at aiyannadiyamayi.com and aaravindha.com

  • Rosi Steger sagt:

    Die Preise für eure Veranstaltungen empfand ich vom ersten Moment an als angemessen, nicht zu teuer und nicht zu billig. Das hat mich optimistisch gemacht, dass ich „an der richtigen Adresse bin“. Und so war es auch.

  • Devalila sagt:

    Liebe Aiyanna, das ist alles richtig, was du schreibst und ich bin absolut der Meinung, dass Aaravindha und alle, die daran arbeiten, dass diese tollen Seminare stattfinden können, adäquat entlohnt werden sollen. Auch sind ca. 100€ pro Seminartag absolut im Rahmen, da gibts wesentlich teurere Angebote.
    Ich möchte nur mal einen weitern Blick schärfen oder eine Anregung geben auf eine alternative Betrachungsweise unseres Geldsystems.
    Wir leben in einer Kapitalistischen Marktwirtschaft, die auf Gier und Ausbeutung aufgebaut ist und ich glaube, mitlerweile kann keiner mehr leugnen, dass dieses System dafür verantwortlich ist für die Zerstörung unsrer Erde durch zu große Ausbeutung, Umweltverschmutzung und alles was dazu gehört. Wir wissen das alle.
    In dem Zusammenhang von Mangelbewusstsein und Fülle zu sprechen hat eine andere Dimension.
    Wenn wir mit unserem Wissen von Fülle sprechen meinen wir in erster Linie spirituelle Fülle, die sich als Shakti, reine Energie zeigt und wahrnehmen lässt. Natürlich kann man diese in materielle Fülle manifestieren. Aber was heißt das?
    Shakti, Energie, mag zwar im Universum unendlich zur Verfügung stehen, aber auf der Erde sind die Resourcen begrenzt. Wir wissen, dass alles eins ist und alles miteinander verbunden, wenn ich also auf der einen Seite etwas großartiges erschaffe, nehme ich es auf der andern Seite irgendwo weg. Das ist wie wenn ich eine Kugel habe und ich mache an einer Seite eine Delle, dann entsteht auf der andern Seite eine Beule.
    Konkrekt ist es so, wenn ich in unserem kapitalistischen System Aktien auf der Bank kaufe, werden am anderen Ende der Welt Menschen von Konzernen dafür versklavt, verlieren ihre Freiheit und müssen dafür arbeiten. Geld arbeitet nicht! Wie es uns immer missverständlich erklärt wird.
    Ich habe mich eine Zeit lang in der Gemeinwohlökonomie engagiert, eine Bewegung, die ein alternatives Wirtschaftsmodell zu Kapitalismus und Kommunismus geschaffen hat unter der Führung von Christian Felber. Daher kenne die Zusammenhänge und weiß, dass es Menschen gibt, die versuchen eine bessere Welt zu gestalten mit einer Idee, die auf Wertschätzung, Kooperation, Ökologie uvm aufbaut.
    Ich frage mich, ob nicht wir, die wir immer davon reden, dass wir nicht mehr viel Zeit haben um das Bewusstsein auf der Welt zu drehen, damit wieder alles in seine natürliche Ordnung kommt, nicht auch mal anfangen sollten Vorreiter zu sein für alternative Wirtschaftssysteme und es auf ganz andere Weise zu probieren?
    Natürlich weiß ich, dass wir Seminarhäuser bezahlen müssen und, dass viele gar keine Gebühren zahlen, weil sie kein Geld haben. Das soll auch nur ein Anstoss sein darüber nachzudenken. Wie machen das denn andere spirituelle Vereinigungen?
    Ich weiß, dass viele sich aus dem Burnout rausgeholt haben durch die spirituelle Entwicklung und das heißt auch, dass sie nicht mehr so intensiv in ihrem Job arbeiten können und wollen. Jetzt ist aber der Zwiespalt, dass sie für die Seminare wieder viel arbeiten müssen um sich das leisten zu können, was wiederum Stress verursacht und das System nährt. Ich meine, ich hab Glück, dass ich was geerbt habe und damit die Seminare bezahlen kann. Was ich sonst nicht könnte, in meiner Situation, da ich viel Verantwortung trage. Aber viele sind nicht so gesegnet und würden gerne raus aus dem ausbeuterischen System und finden keinen Weg und wenn doch, dann fehlt das Geld für teure Seminare.
    Wenn ich mich für eine sehr einfache und natürlichere Lebensweise entscheide, bei der ich nicht die Erde in dem Maße ausbeute wie es heute im normalen Leben der Fall ist, heißt das auch, dass ich nicht mehr so viel Geld verdiene. Es gibt definitiv keine Energieform, die nicht die Umwelt zerstört außer wir finden zu einer einfacheren Lebensweise zurück und das erfordert radikale Schritte, zu denen kaum einer bereit ist. Aber ist nicht das die eigentliche Fülle? Wieder die Kraft und die Freude in dem zu finden, was uns auf natürliche Weise umgibt und sowieso nährt? Nur haben wir es vergessen.
    Auch Aaravindha hat gesagt, wir sollen keine Energie mehr in unsere Karriere verschwenden. Also ist das alles nicht so einfach, wenn wir dann wieder viel Geld für Seminare brauchen.
    Ich hab auch noch keine so klare Idee, wie es konkret funktionieren kann, aber in die Richtung von echtem Seva, Tauschwirtschaft, alternative Währungen(sowas gibts schon alles)
    Was ist echte Fülle? Vielleicht hab ich da auch was noch nicht richtig verstanden weil ich noch nicht so weit bin, dann will ich gerne bescheiden zurücktreten aber ich möchte nicht, dass Menschen, die eine einfache Lebensweise bevorzugen und vielleicht im Bauwagen leben in der Natur, statt in einer teuren Wohnung oder einen kleinen Hof als Selbstversorger betreiben als Menschen bezeichnet werden, die nicht in der Fülle leben und ein Mangelbewusstsein haben.
    Wer, wenn nicht wir, könnten Vorreiter sein für ein alternativers Wirtschaftsmodell???

    Alles Liebe,
    Devalila

    • Liebe Devalila,

      Vielen Dank für deine ausführlichen Gedanken dazu. Das ist ein vielschichtiges Thema…. ich kenne das System von Christian Felber nicht, kann dazu leider nichts viel sagen. Aber ich kenne ein paar andere Modelle im Ansatz. Das Problem, dass ich dabei sehe, ist nur, dass es schwer ist das umzusetzen, so lange man Dinge aus dem bisherigen Wirtschaftssystem benötigt. Ich denke, das sind Möglichkeiten, über die man innerhalb einer existierenden physischen Community nachdenken kann. Aber um überhaupt so etwas umsetzten zu können, braucht man erstmal viel Geld, um Grundstücke zu kaufen und beispielsweise ein Seminarzentrum zu bauen, samt Unterkünften. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, sich vollkommen aus dem System auszuklinken und in ein eigenes überzugehen, da die Nachteile sehr groß sind so lange man nur ein Enklave in einem Ozean des Kapitalismus darstellt. Ich denke, dass es wichtig ist, das Leute das ausprobieren und Alternativen durchdenken und probieren, um vorbereitet zu sein, wenn ein Wechsel möglich ist. Aber da wir alle nur begrenzt Zeit und Möglichkeiten haben, müssen wir schauen, wo wir am effektivsten etwas bewegen können. Als spirituelle Tradition liegt da der Fokus mehr darauf, Wege zu finden, spirituelles Wissen weiterzugeben wie sich jeder innerlich verändern kann. Ich persönlich denke, dass es wichtig ist im eigenen Leben so viel wie möglich das Wissen auch zu leben. Das heißt, wir müssen alle schauen, was wir machen können, um nachhaltiger zu leben und so wenig Schaden wie möglich zu kreieren, aber gleichzeitig darauf achten, dass wir in der existierenden Welt nicht die Balance verlieren und dadurch wiederum vor neuen Hindernissen stehen. Wenn wir jedoch in einem „normalen Job“ Veränderung bringen, weil wir die anderen wirklich sehen und von Herz zu Herz handeln, dann leben wir unser Dharma dort, wo wir sind und erreichen auch Menschen, die nicht an dem Punkt stehen, gleich riesige Veränderungen vorzunehmen. Aber da wir letztlich alle ein Bewusstsein sind, muss auch der Rest des Ozeans in Bewegung versetzt werden und das geht am besten von innen heraus.

      Du hattest Burnout angesprochen. Das ist ein großes Thema für viele Menschen heute. Für mich entsteht Burnout aber nicht primär aus dem System heraus, sondern aus einem anderen Grund. Er entsteht, weil wir unsere Grenzen übergehen, nicht auf unser Inneres hören, uns kreative Ausdrucksformen verwehren, unsere innere Wahrheit ignorieren. Dadurch erfahren wir keine Befriedigung in uns selbst und verlernen unseren kreativen Antrieb zu nutzen. Wenn man das Wissen nicht hat, das in sich zu erschaffen, wird man niemals in ein produktives kreatives Schaffen kommen, egal in welchem Wirtschaftssystem man lebt. Wenn wir innerlich auf die falschen Antriebe hören und nicht gelernt haben, wie wir die Stimme unseres wahren Selbst hören und nicht die Stimme der Angst, der Anhaftung, der Widerstände und Aversionen, werden wir auch und alternativen Wirtschaftsformen kein Glück finden und immer Chaos und Gier schaffen. Für mich ist da teilweise der Karren vor das Pferd gespannt. Wenn wir lernen in unserem System Präsenz, Mitgefühl, Dankbarkeit, Großzügigkeit, Aufrichtigkeit zu leben, wird sich das System von innen heraus verändern, weil die Menschen sich breitflächig innerhalb des Kollektivbewussteins verändern.

      Ich hatte erst kürzlich ein Gespräch mit einem sehr intelligenten jungen Mann, der sich weigert am System teilzunehmen und vorhat, ein Buch über seine Erkenntnisse zu schreiben im Bereich der Psychologie. Er will nicht studieren, um einen Abschluss zu haben, der seiner Stimme in der Mainstream-Gesellschaft mehr Gewicht zu verschaffen. Er will auch keine Form von Marketing betreiben, weil er der Ansicht ist, dass die Menschen, die Wahrheit erkennen werden, wenn sie sie sehen und weitergeben werden und weil Marketing zutiefst kapitalistisch und böse ist. Ich glaube da nicht dran, weil die Menschen gar nicht wissen, wie sie die Wahrheit in sich erkennen können und das wahre oft nicht gesehen werden kann, weil der Lärm im Außen so laut ist. Man muss sich teilweise in den Bahnen des Kapitalismus bewegen, um etwas in unserer Gesellschaft zu bewegen.
      Interessanterweise ist sein Buch auch noch nicht entstanden, es ist bisher nur eine noch nicht manifestierte Idee. Er verbringt seine Zeit damit in einem Wohnwagen zu leben, Niedriglohn-Jobs zu machen, weil er keinen Beruf erlernen will und in seiner Freizeit kifft er und philosophiert, aber er bekommt es nicht manifestiert. Meines Erachtens hindert ihn seine Aversion zur Gesellschaft daran, wirklich etwas zu bewegen.

      Ich hatte vor ein paar Jahren mal einen Teilnehmer in einem Meditationskurs, den ich in England gegeben habe. Ein junger Australier, der kein Geld hatte und nur von dem lebte, was er gefunden hat oder andere ihm geschenkt haben. Er hat versucht, vollkommen ohne Geld auszukommen. Das ging sogar so weit, dass er nicht zum Zahnarzt konnte und völlig faulige Zähne hatte mit Mitte zwanzig. Das war wirklich tragisch, denn hinter dem ganzen steckte der Wunsch die Welt zu verändern. Aber mit seinem eigenen Dogmatismus darüber, wie das zu geschehen hat und seiner Aversion zur kapitalistisch lebenden Mainstream-Gesellschaft, hat er sich selbst Schaden zugefügt. Und der Welt hat er bisher auch nichts gegeben. Ich beobachte das oft bei jungen Menschen, dass da eine Menge Anklage ist an die Gesellschaft und das System, aber sie schaffen es selbst nicht wirklich der Menschheit etwas zu geben und wählen eher ein Abhängen und Drogen, die ihnen die Illusion von spirituellen Erfahrungen geben, statt wirklich ihre Kreativität zu nutzen. Da fehlen dann auch die wirklichen Möglichkeiten etwas Tauschen zu können, was von Wert wäre oder Fähigkeiten, die man gebrauchen könnte.

      Ich bin selbst in meiner Jugend durch eine extreme Phase der Rebellion gegangen und war extrem Systemkritisch. Aber ich habe erst jetzt das Gefühl, dass ich wirklich etwas beitrage, was Menschen helfen kann. Ich verstehe die Sichtweise, dass das System krank ist sehr gut und stimme dem auch voll zu. Aber meine Art das zu verändern hat sich gewandelt und ich habe gelernt meine Kreativität dafür zu nutzen, um etwas im System zu verändern indem ich meine Aversion abbaue, um wirklich die Menschen sehen zu können und da ansetzen zu könne, wo der Einzelne steht und Wissen weiterzugeben, wie sie sich innerlich befreien können von ihren Blokaden. Ich habe gelernt, so gut es geht Ahimsa zu leben in der Gesellschaft ohne mich zu sehr aus der Gesellschaft zu bewegen und mir Hindernisse zu erschaffen, die meinen Weg letztlich genauso begrenzen, wie dem System voll zu folgen. Nur so können wir machen, was unsere Aufgabe ist und das Bewusstsein zu verändern inmitten der bürgerlichen Gesellschaft. Und je mehr jeder in sich Veränderung bewirkt, umso mehr färbt das ab auf andere und wir können letztlich die gesamte Struktur durch eine gesündere ersetzen. Aber das ist dann die natürliche Folge. Es geht dann leicht und selbstverständlich und mit der Unterstützung von Vielen.

      Ich sehe die Lösung darin, in sich zu schauen, welche Widerstände hindern mich daran meine Kreativität in etwas Sinnvolles zu manifestieren? Welche Verallgemeinerungen verwende ich als Ausrede, um bleiben zu können, wo ich bin? Bin ich bereit umzudenken oder bin ich in einem Dogma verfangen?

      Bisher waren fast alle Aussteiger aus der Gesellschaft, die ich persönlich kennengelernt habe, relativ dogmatisch, haben viel kritisiert, aber der Welt wenig gegeben an Mitgefühl, Liebe und Kreativität. Es war oft das Spiegelbild des meckernden spießbürgerlichen Opas, der den Krückstock gegen die Jugend schwingt. Auf der anderen Seite sehen wir den jungen Systemkritiker, der gegen die wettert, die nicht so leben wie er. Beide Seiten sind voller Urteil und Widerstände und geben der Welt selbst micht mehr als ihre Meinung. Verkörpern kein Mitgefühl, leben ihre Kreativität nicht und tragen nichts bei zum Verbessern der Welt. Der eine sitzt mit dem Bier vorm Fernseher, der andere mit dem Joint vor Youtube. Ich sehe das so oft bei den jungen Menschen, die sich für extrem erwacht halten. Ich denke, du als Mutter hast das sicher auch oft gesehen bei Jugendlichen. Ich habe es zumindest. Und all diese jungen Menschen hätten so viel Potenzial, sind so extrem philosophisch, aber sind Opfer ihres eigenen Dogmatismus, ihrer Süchte und teilweise auch ihrer Arroganz.

      Ich weiß, dass du nicht so denkst. Aber es ist leider heute ein Problem, mit dem wir zu kämpfen haben und wo wir einfach schauen müssen, wem möchten wir Ermäßigungen geben. Denn es geht auch darum, dass die Leute in ihre kreative Kraft gehen sollen und der Welt mehr geben, als nur sich selbst zu versorgen und sich komplett aus der Gesellschaft auszuklinken. Wenn jemand das macht, hat das Konsequenzen, die wir nicht für die Leute auffangen können. Wir tun zwar unser möglichstes und sind im Zweifelsfall eher großzügig als nicht, aber wir können auch nicht alle selbstgewählten Lebensweisen tragen, weil oft auch ziemlicher Dogmatismus oder Illusionen dahinter stehen oder auch nur Muster der Faulheit. Wenn wir jedoch sehen, dass jemand extrem viel gibt für andere und nur eine kleine Rente hat und davon noch alle streunenden Tiere in der Umgebung durchfüttert, wird immer Hilfe kommen.

      Bei Menschen mit Burnout ist Ansatz der Hilft meines Erachtens, dass man nach anfänglicher Ruhe schaut, was dazu geführt hat, dass die Kreativität sich so extrem erschöpft hat. Diese Aspekte muss man ändern in seinem Leben und lernen auf sein wahres Inneres zu hören und das in den Ausdruck zu bringen. Nicht unbedingt in einem neuen kreativen Traumjob, sondern egal wo man ist, in sich selbst. Burnout ist nur ein extremes Warnsignal, dass man sich selbst komplett übergangen und ausgebeutet hat. Das ist nicht nur das System, das sind wir selbst und wir müssen das heilen, indem wir auf uns hören und uns erlauben unseren kreativen Fluss zu befreien.

      Um nochmal auf das Beispiel des Selbstversorgers zurück zu kommen, der vielleicht kein Geld hat für ein Seminar. Wie wäre es, wenn jemand, der so wertvolles Wissen hat z.B. Kurse anbietet für andere, wo er ihnen beibringt sich slebst zu versorgen und so Geld verdient. Imkerkurse, Permakultur, gesund kochen… oder er oder sie 10 Menschen in seiner Community findet, die interessiert daran wären Meditation zu erlernen und jeder ihm eine Teil der Seminargebühr sponsort, damit der Selbstversorger zum Lehrer ausbebildet wird für die anderen. Das ist kreative Kraft in Aktion und so viele anderen würden davon profitieren können, wenn dieser Fluss befreit ist. Das ist nur ein Beispiel von unendlichen Möglichkeiten. Kreativität führt immer zu mehr.

      Die Befreiung des kreativen Fluss in uns ist Fülle. Wenn der stockt, sind wir im Mangel. Das wäre meine Definition von Fülle.

      Alles Liebe dir,
      Aiyanna

      • Devalila sagt:

        Liebe Aiyanna,

        vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Vielleicht ist einiges in meiner Ausführung etwas falsch rübergekommen.
        Ich habe mich nicht auf Menschen bezogen, die traumtänzerisch und kiffend in der Gegend rumhängen. Sowas kenne ich auch und das führt zu nichts als zu Psychosen und Wolkenkuckucksheimen. Da bin ich voll deiner Meinung.
        Die Gemeinwohlökonomie ist keine weltfremde Bewegung, die dazu aufruft aus der Gesellschaft auszutreten. Im Gegenteil, sie verändert das bestehende System von innen heraus in seiner Ausrichtung der Wertigkeit, von Gier und Konkurrenzkampf hin zu Kooperation, Werschätzung und Nachaltigkeit.

        Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein alternatives Wirtschaftsmodell, das auf den Werten Menschenwürde, Mitgefühl, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie auf demokratischer Mitbestimmung und Transparenz aufbaut. Ziel eines Unternehmens mit Gemeinwohl-orientierter Ausrichtung ist das Gelingen von zwischenmenschlichen und ökologischen Beziehungen.

        Vorreiter dieser Bewegung ist z.B der Chef der Spardabank. Er lässt, wie alle gemeinwohlbillanzierten Betriebe, seinen Betrieb jährlich nach den Gemeinwohlrichtlinine bewerten.
        Ziel ist es, dass Betriebe, die nach diesen Richlinien arbeiten, irgendwann auch Steuererleichterungen etc. bekommen und somit einen Vorteil in dieser Ausrichtung sehen. (Nur ein Beispiel: wieso soll fair trade Kaffe teurer sein als Kaffe aus menschenunwürdigem Anbau)
        Es arbeiten bereits seit vielen Jahren einige Menschen daran das umzusetzen und das sind keine Spinner. Ich kenne die persönlich.

        Dieser Chef der Spardabank hat z.B. keine Hemmungen auf einer Vorstandssitzung von Deutscher Bank Mitarbeitern von seinem Herz zu sprechen und er macht das so gut, dass er dafür auch noch Applaus erhält. Sowas veränder die Menschen.

        Ich meine letztendlich ist ja auch Sambodha schon in seiner Ausrichtung und Wirtschaftsweise Gemeinwohl orientiert.
        Es gibt da eine Matrix, die dort entwickelt wurde, nach deren Kriterien man seinen Betrieb bewerten kann und dann in der Liste der gemeinwohlorientierten Betriebe eintragen kann.

        Das ist nur ein Beispiel. Ich arbeite jeden Tag hart daran einen klaren Kopf zu behalten und die Welt so klar und illusionsfrei wie möglich zu sehen und dabei allen Herrausforderungen gerecht zu werden. Das ist nicht immer so einfach.

        Jeder sollte gewillt sein auf sein Innerstes zu hören.
        Wo es ihn hinführt, wenn er in müheloser Achtsamkeit diesem Fluss erlaubt sich auf kreative Weise seinen Weg zu bahnen und in den Ausdruck zu bringen, ist halt manchmal ganz was anderes als man sich vorgestellt hatte. Ob das jetzt grad zu Geld führt oder irgenwann halt mal ist auch wieder was anderes.

        Alles Liebe,
        Devalila

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